Was sich die deutsche Wirtschaft zum Start in 2026 wünscht

Zum Jahreswechsel richtet sich der Blick der Unternehmen weniger auf Sonntagsreden – und mehr auf die Einlösung zentraler Wahlversprechen: eine spürbar niedrigere Steuerlast für Investitionen, wettbewerbsfähige Energiepreise und ein echter Bürokratieabbau, der im Alltag ankommt. Denn wenn Kosten steigen und Prozesse länger dauern als Projekte laufen, verlieren Betriebe Tempo – und Deutschland Attraktivität als Standort.

1) Unternehmenssteuern:

international wieder konkurrenzfähig werden

Deutschland liegt bei der tariflichen Belastung von Kapitalgesellschaften (inklusive Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag) im internationalen Vergleich im Schlusslicht. Genau das empfinden viele Unternehmen als Wachstumsbremse – weil jeder zusätzliche Prozentpunkt bei Steuern und Abgaben Investitionen, Forschung und neue Arbeitsplätze verteuert.

Wichtig ist dabei der Realitätscheck: Deutlich niedrigere Unternehmenssteuersätze sind keine Theorie – andere Länder setzen sie seit Jahren erfolgreich um. Das zeigt: Spielräume sind vorhanden, wenn Prioritäten klar gesetzt werden.

Land Beispiel-Steuersatz Einordnung
Deutschland ca. 30% (nominale Gesamtbelastung von Kapitalgesellschaften) Im internationalen Vergleich hoch.
Irland 12,5% (auf Trading Income) Seit Jahren bewusst niedrig, um Investitionen anzuziehen.
Ungarn 9% (CIT) Extrem niedriger Satz als Standortsignal.
Bulgarien 10% (CIT) Flat Tax – niedrige Komplexität, klare Planung.

Wenn Deutschland Wachstum will, braucht es ein klares Zielbild: steuerliche Entlastung, die Investitionen belohnt – und nicht die Substanz besteuert. Ein verlässlicher Pfad, der die Gesamtbelastung sichtbar senkt, ist für Unternehmen oft wichtiger als kleinteilige Einzelprogramme.

 

2) Energiepreise:

Wettbewerbsfähigkeit braucht Planbarkeit

Hohe Strompreise treffen die Industrie direkt – und den Mittelstand indirekt über Lieferketten, Dienstleistungen und Standortentscheidungen. Für viele Betriebe ist Energie längst kein normaler Kostenblock mehr, sondern ein strategisches Risiko: Planbarkeit fehlt, Preissprünge kommen oft schneller als Budgets angepasst werden können.

Was die Wirtschaft sich für 2026 wünscht, ist daher klar: niedrigere, verlässlich kalkulierbare Energiepreise – mit einfacher, praxistauglicher Umsetzung. Entlastung muss dort ankommen, wo Wertschöpfung entsteht: in Produktion, Handwerk, Logistik und Dienstleistungen.

 

3) Bürokratieabbau:

die 10 größten Hindernisse für Wachstum in Deutschland

Bürokratie ist nicht nur „Papierkram“. Sie bindet Zeit, verhindert Investitionen, verzögert Innovationen – und kostet Unternehmen im Zweifel Aufträge. Besonders kritisch: Wenn Regeln komplex sind, digital nicht sauber umgesetzt werden und je nach Behörde unterschiedlich ausgelegt werden, entsteht Stillstand.

  1. Langsame Genehmigungs- und Planungsverfahren
    Ob Bau, Erweiterung, Netzausbau oder neue Anlagen: Zu lange Verfahren verschieben Investitionen – und damit Umsatz, Arbeitsplätze und Steuern.
  2. Zu viele Nachweis- und Dokumentationspflichten
    Betriebe dokumentieren nicht selten „für den Fall der Fälle“ – statt produktiv zu arbeiten. Besonders belastend: wiederkehrende Nachweise ohne echten Mehrwert.
  3. Statistik- und Meldepflichten
    Meldungen an verschiedene Stellen kosten Zeit, sind oft redundant und treffen kleine Unternehmen überproportional – weil dort keine eigenen Teams dafür existieren.
  4. Steuerrechtliche Komplexität im Alltag
    USt-Regeln, Vorsteuer, Aufbewahrungspflichten, Betriebsprüfungsanforderungen: Hoher Aufwand entsteht nicht nur durch Steuersätze, sondern durch Komplexität.
  5. Fördermittel-Dschungel
    Viele Programme, viele Bedingungen, viele Nachweise – und am Ende bleibt oft der Eindruck: Der Antrag ist teurer als der Nutzen.
  6. Vergabe- und Ausschreibungsbürokratie
    Gerade Mittelstand und Handwerk scheitern häufig nicht am Angebot, sondern an formalen Anforderungen, Fristen und Dokumentationslast.
  7. Föderale Zersplitterung und fehlende Standardisierung
    Unterschiedliche Vorgaben, unterschiedliche Portale, unterschiedliche Interpretationen – das kostet Zeit und macht Skalierung schwer.
  8. Register, Daten und „Once-Only“ fehlen im Vollzug
    Unternehmen müssen Daten immer wieder neu einreichen, obwohl sie dem Staat längst vorliegen. Das ist ineffizient und bremst Digitalisierung. Beispiel: wer im Handelsregister registriert ist, muss trotzdem im Transparenzregister sowie im Transparenzregister vom Bundesanzeiger registriert sein. Einen Mehrwert erfahren Unternehmer hierdurch nicht.
  9. ESG-, Nachhaltigkeits- und Lieferketten-Berichtspflichten
    Ziele können sinnvoll sein – aber ohne pragmatische Umsetzung wird daraus ein Bürokratieprojekt, das Ressourcen frisst statt Wirkung erzeugt. Beispiel: Lieferkettengesetz
  10. Fachkräfte-Zuwanderung: Verfahren zu langsam, Anerkennung zu komplex
    Wer Mitarbeiter braucht, braucht Geschwindigkeit. Lange Prozesse und komplizierte Anerkennung kosten Wachstum – und manchmal den Auftrag.

Ein wirksamer Bürokratieabbau würde in der Praxis drei Prinzipien durchsetzen: einfacher (weniger Regeln und Ausnahmen), schneller (klare Fristen, digitaler Vollzug), digitaler (Register statt Formulare, Daten nur einmal einreichen). Die Zeit drängt. Der Ifo Präsident warnt bereits: die IFO Wachstumsprognose 2026 fällt nicht besonders rosig aus.




 

Was lief 2025 gut?

Der Staat nahm so viel ein wie selten zuvor

Bei allen Problemen: Aus Sicht der öffentlichen Einnahmen war 2025 ein starkes Jahr. Die Steuereinnahmen bewegten sich auf Rekordniveau – und damit wurde Bürgern und Unternehmen erneut tief in die Tasche gegriffen. Das ist keine rein politische Bewertung, sondern zeigt vor allem eines: Es geht nicht nur um „mehr Geld“, sondern um die Frage, wie zielgerichtet der Standort wettbewerbsfähiger gemacht wird.

Gerade weil die Einnahmenseite robust war, erwartet die Wirtschaft für 2026 konkrete Reformen statt neuer Hindernisse: Endich spürbar niedrigere Steuerlasten für Investitionen, spürbare Entlastung bei Energie und weniger Bürokratie – messbar im Alltag der Betriebe.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen guten Start ins Jahr 2026.

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Von Chris

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