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Photovoltaik-Ausbau bricht im ersten Halbjahr 2025 ein

Ist der große Solarboom in Deutschland schon wieder vorbei? Aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur deuten genau darauf hin. Im ersten Halbjahr 2025 wurden nur noch private Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 647 Megawatt neu installiert. Das entspricht einem Rückgang von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit erleben wir einen deutlichen Einbruch in einem Sektor, der noch vor Kurzem als Schlüssel zur Energiewende gefeiert wurde.

Der Boom ist vorbei – sagen selbst Branchenvertreter

Der Bundesverband des Solarhandwerks (bdsh) zieht ein ernüchterndes Fazit: „Der Boom der privaten Photovoltaik-Anlagen, ausgelöst durch die Energiepreiskrise 2022, ist vorerst beendet“, so ein Sprecher des Verbands. Als Hauptgrund sieht der bdsh die wieder sinkenden Strompreise. Während 2022 und 2023 die hohen Energiepreise viele Hausbesitzer zur Investition in Solaranlagen bewegten, hat sich das wirtschaftliche Umfeld inzwischen stark verändert.





Der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden lag laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Juni 2025 bei rund 34,2 Cent pro Kilowattstunde – das ist zu teuer für den Standort Deutschland und schmälert gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik-Anlagen deutlich. Insbesondere bei kleineren Dächern mit begrenztem Eigenverbrauchspotenzial ist die Wirtschaftlichkeit so nicht mehr gegeben.

 

Warum ist Energie in anderen Ländern günstiger?

Ein weiterer Aspekt, der den Rückgang bei privaten Solarinvestitionen verstärkt, ist der internationale Vergleich der Energiepreise. In vielen europäischen Ländern zahlen Haushalte deutlich weniger für Strom als in Deutschland – trotz vergleichbarer oder sogar ambitionierterer Klimaziele. Gründe dafür sind unter anderem geringere Abgaben, staatliche Preisdeckel oder ein höherer Anteil an staatlicher Grundversorgung. In Deutschland hingegen sind Steuern, Umlagen und Netzentgelte für rund 40 Prozent des Strompreises verantwortlich.

40%

zu teuer?

In Deutschland wird Strom künstlich teuer gehalten. 40% entfallen auf Steuern, Umlagen und Netzentgelte.

 

Ein Blick auf aktuelle Durchschnittspreise (Stand 2025, Haushaltsstrom in Eurocent/kWh) zeigt die Unterschiede deutlich:

  • 🇫🇷 Frankreich: 22,1 ct/kWh
  • 🇸🇪 Schweden: 19,3 ct/kWh
  • 🇫🇮 Finnland: 20,0 ct/kWh
  • 🇭🇺 Ungarn: 10,6 ct/kWh (staatlich gedeckelt)
  • 🇳🇴 Norwegen: 16,8 ct/kWh
  • 🇩🇪 Deutschland: 34,2 ct/kWh

Vor diesem Hintergrund ist das politische Versprechen von Kanzler Friedrich Merz, die Energiepreise in Deutschland spürbar zu senken, ein zentrales Thema. In einer Regierungserklärung kündigte Merz im Frühjahr 2025 an, sowohl Netzentgelte als auch Stromsteuer zu überprüfen und perspektivisch zu reduzieren. Ob diese Maßnahmen rechtzeitig greifen, um das Vertrauen der Hausbesitzer in die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen zurückzugewinnen, bleibt jedoch offen.

 

Politische Änderungen wirken sich negativ aus

Ein weiterer Dämpfer für die Solarbranche ist das neue Gesetz, das im Februar 2025 in Kraft getreten ist. Es sieht vor, dass Betreiber neuer Photovoltaikanlagen keine Einspeisevergütung mehr für Strom erhalten, den sie in Zeiten eines Überangebots ins öffentliche Netz einspeisen. Damit entfällt ein zentraler wirtschaftlicher Anreiz – gerade für Hausbesitzer, die nicht den Großteil ihres Solarstroms selbst verbrauchen können.

Die Maßnahme wurde eingeführt, um Netzstabilität zu gewährleisten und Überlastungen durch Einspeisung in Spitzenzeiten zu vermeiden. Für private Investoren bedeutet sie jedoch mehr Unsicherheit bei der Renditeberechnung. Die Amortisationszeit von Solaranlagen verlängert sich, was insbesondere für Menschen mit knapperem Budget ein KO-Kriterium darstellt.

Wachstumsfaktoren berechnen

Installateure schlagen Alarm

Auch auf dem Arbeitsmarkt macht sich der Einbruch bemerkbar. Viele Solarteure berichten über Auftragsflauten. „2022 hatten wir teilweise Wartezeiten von vier Monaten – heute müssen wir aktiv um neue Kunden werben“, sagt Markus Riedl, Geschäftsführer eines Solarfachbetriebs in Bayern. Die Nachfrage nach neuen Installationen sei um mehr als die Hälfte zurückgegangen, was kleinere Betriebe vor finanzielle Probleme stelle.

Förderlandschaft weiterhin unübersichtlich

Zudem beklagen viele Hausbesitzer die komplexe Förderlandschaft. Zwar gibt es weiterhin KfW-Kredite und Landeszuschüsse, doch die Voraussetzungen sind oft unklar oder regional unterschiedlich. „Viele unserer Kunden verstehen nicht mehr, welche Förderung wann gilt und wie sie beantragt wird“, so Riedl. Die Bundesregierung hatte eigentlich versprochen, Bürokratie abzubauen – in der Realität ist jedoch kaum eine Vereinfachung spürbar.

Hinzu kommt, dass sich Förderprogramme kurzfristig verändern oder spontan komplett eingestellt werden. Die Planbarkeit ist nicht mehr gegeben, kritisieren Betroffene. Die Folge: Unternehmen investieren lieber in Zukunftstechnologien wie ChatGPT Plus oder Saas –  statt in Erneuerbare zu investieren.

 

Was bedeutet das für die Energiewende?

Der Einbruch im privaten PV-Segment ist ein Rückschlag für die Energiewende. Laut Zielen der Bundesregierung sollen bis 2030 insgesamt 215 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert sein. Ende 2024 lag Deutschland bei rund 85 Gigawatt – davon etwa 22 Gigawatt auf Einfamilienhäusern. Wenn der Ausbau im privaten Bereich in diesem Tempo weitergeht, drohen die Ausbauziele zu scheitern.

Experten fordern daher ein entschlossenes politisches Umsteuern. Dazu zählen bessere steuerliche Anreize, eine Reform der Einspeisevergütung sowie intelligente Speicherförderungen. Nur so könne das Vertrauen der privaten Investoren zurückgewonnen werden.



Die Euphorie ist verflogen

Der Einbruch des privaten Photovoltaik-Ausbaus zeigt, wie sensibel der Markt auf politische und ökonomische Signale reagiert. Während Solartechnik nach wie vor eine tragende Säule der Energiewende ist, brauchen Hausbesitzer klare, verlässliche Rahmenbedingungen. Sinkende Strompreise, wegfallende Vergütungen und bürokratische Hürden setzen derzeit falsche Signale. Will die Politik ihre eigenen Klimaziele ernst nehmen, ist jetzt rasches Handeln gefragt – bevor nicht nur das Sonnenlicht, sondern auch das Interesse der Verbraucher endgültig verblasst.

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Von Chris