Die Krankheitstage in Deutschland sorgen seit Jahren für Diskussionen in Wirtschaft, Politik und Medien. Arbeitgeber klagen über steigende Fehlzeiten, während Arbeitnehmer und Experten auf zunehmenden Stress, psychische Belastungen und eine bessere Erfassung von Krankmeldungen hinweisen.
Doch wie hoch sind die Krankheitstage in Deutschland wirklich? Wie haben sie sich entwickelt, und wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da? Dieser Artikel liefert belastbare Zahlen, ordnet sie ein und zeigt auf, welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen können.
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Krankheitstage in Deutschland: Aktuelle Zahlen
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die durchschnittliche Zahl der Krankheitstage in Deutschland im Jahr 2023 noch bei rund 15,1 Tagen pro Arbeitnehmer. Heute liegt der Wert bei 24,9 Krankheitstagen pro Mitarbeiter. Ein drastischer Anstieg.
Auch die gesetzlichen Krankenkassen bestätigen diesen Trend. Die Techniker Krankenkasse meldete für 2023 im Durchschnitt 19,4 Krankheitstage pro versicherter Person. Besonders häufig waren Erkrankungen der Atemwege sowie psychische Erkrankungen. Studie¹.
Wie haben sich die Krankheitstage in Deutschland entwickelt?
Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt eine deutliche Veränderung. In den Jahren vor 2019 lagen die Krankheitstage in Deutschland meist zwischen 10 und 12 Tagen pro Arbeitnehmer. Mit der Corona-Pandemie kam es zunächst zu einem Rückgang, da viele Menschen im Homeoffice arbeiteten und soziale Kontakte reduziert waren.
Seit 2022 steigen die Zahlen jedoch stark an. Experten sehen dafür mehrere Gründe: Zum einen kehren klassische Infektionskrankheiten wie Grippe zurück, zum anderen werden Krankmeldungen seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) deutlich vollständiger erfasst. Dadurch erscheinen die Krankheitstage in Deutschland heute höher, obwohl nicht zwingend mehr Menschen krank sind als früher.
Krankheitstage in Deutschland im internationalen Vergleich
Im internationalen Vergleich liegen die Krankheitstage in Deutschland im oberen Bereich. Laut OECD-Daten kommen Arbeitnehmer in Deutschland auf rund 24 bezahlte Krankheitstage pro Jahr. Damit liegt Deutschland deutlich über Ländern wie den Niederlanden, Frankreich oder den USA.
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Deutschland: 24,9 Tage
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Tschechien: 19,2 Tage
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Frankreich: 14,2 Tage
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Niederlande: 15,0 Tage
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Schweden: 11,3 Tage
Allerdings weist die OECD darauf hin, dass Vergleiche nur eingeschränkt möglich sind. In einigen Ländern werden kurze Krankmeldungen nicht erfasst oder es gibt keine verpflichtende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Das deutsche System begünstigt eine transparente Meldung von Krankheitstagen, zeigt die OECD Studie³.
Sind die Deutschen wirklich zu oft krank?
Ob die Krankheitstage in Deutschland zu hoch sind, hängt von der Perspektive ab. Aus wirtschaftlicher Sicht bedeuten hohe Fehlzeiten Produktivitätsverluste und Mehrkosten für Unternehmen. Aus gesundheitlicher Sicht kann ein höherer Krankenstand jedoch auch positiv sein, da Arbeitnehmer Krankheiten auskurieren, statt krank zur Arbeit zu gehen.
Der sogenannte Präsentismus, also das Arbeiten trotz Krankheit, gilt als langfristig schädlicher für Mitarbeiter und Unternehmen. Experten sehen den Anstieg der Krankheitstage daher auch als Zeichen eines bewussteren Umgangs mit Gesundheit.
Stress als häufige Ursache für Krankheitstage
Stress ist einer der wichtigsten Treiber für steigende Krankheitstage in Deutschland. Zeitdruck, Personalmangel, ständige Erreichbarkeit und Unsicherheit führen zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout. Diese Erkrankungen verursachen besonders lange Fehlzeiten.
Unternehmen können aktiv gegensteuern, indem sie Arbeitsprozesse optimieren, realistische Ziele setzen und Mitarbeiter entlasten. Konkrete Maßnahmen zur Verringerung von Stress am Arbeitsplatz finden Sie im Beitrag Stressreduktion im Büro.
Arbeiten von zu Hause und der Einfluss auf Krankheitstage
Das Arbeiten von zu Hause hat sich seit der Pandemie fest etabliert. Studien zeigen, dass Homeoffice dazu beitragen kann, Infektionskrankheiten zu reduzieren. Weniger Kontakte im Büro bedeuten ein geringeres Ansteckungsrisiko, was sich positiv auf die Krankheitstage in Deutschland auswirken kann.
Gleichzeitig kann Homeoffice Stress reduzieren, da Pendelzeiten entfallen und Arbeitnehmer flexibler arbeiten können. Voraussetzung ist jedoch eine klare Trennung von Arbeits- und Privatleben. Wie sich Arbeiten von zu Hause sinnvoll gestalten lässt, erfahren Sie hier: Arbeiten von zu Hause.
Gut bezahlte Jobs und Gesundheit
Ein weiterer Faktor im Zusammenhang mit den Krankheitstage in Deutschland ist das Einkommen. Gut bezahlte Jobs gehen häufig mit besseren Arbeitsbedingungen, mehr Autonomie und höherer Arbeitsplatzsicherheit einher. Diese Faktoren wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Wer sich beruflich verbessern möchte, findet hier eine Übersicht über besonders attraktive Berufsfelder: Gut bezahlte Jobs in Deutschland.
Studien und Krankenkassendaten zeigen, dass Menschen in gut bezahlten Jobs im Durchschnitt tatsächlich seltener und kürzer krankgeschrieben sind als Beschäftigte in niedrig entlohnten Tätigkeiten. Der Grund liegt weniger im Einkommen selbst, sondern in den Rahmenbedingungen: Gut bezahlte Jobs gehen häufiger mit planbaren Arbeitszeiten, geringer körperlicher Belastung, mehr Entscheidungsspielraum und besseren Möglichkeiten zur Stressbewältigung einher. Zudem haben diese Arbeitnehmer oft besseren Zugang zu Präventionsangeboten, Gesundheitsprogrammen und flexiblen Arbeitsmodellen wie Homeoffice, welche die Anzahl der Krankheitstage nachweislich senken.
In körperlich anstrengenden oder schlecht bezahlten Berufen sind dagegen Verschleißerkrankungen, Stress und psychische Belastungen deutlich häufiger – was sich direkt auf die Krankheitstage auswirkt. Wer sich beruflich verbessern möchte, findet hier einen Überblick über besonders attraktive Berufsfelder:
gut bezahlte Jobs in Deutschland.
Feedback als Schlüssel zum Erfolg bei hohen Krankheitstagen
Wenn die Krankheitstage in Deutschland im eigenen Unternehmen besonders hoch sind, sollten Arbeitgeber die Ursachen analysieren. Ein bewährtes Mittel ist anonymes Feedback von Mitarbeitern. So lassen sich Probleme frühzeitig erkennen, etwa Überlastung, schlechtes Betriebsklima oder fehlende Unterstützung.
Wie Unternehmen strukturiert und erfolgreich Feedback einholen, zeigt der Artikel Feedback als Schlüssel zum Erfolg.
Krankheitstage in Deutschland – Rückkehr ins Büro als zentraler Treiber
Ein zentrales Argument in der Debatte um die Krankheitstage in Deutschland wird häufig unterschätzt: die Rückkehr zur Präsenzarbeit. Während der Corona-Jahre lagen die Krankheitstage auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Der Hauptgrund dafür war nicht weniger Stress, sondern das stark verbreitete Homeoffice. Wer von zu Hause arbeitet, hat kaum Kontakt zu Kollegen, nutzt keine öffentlichen Verkehrsmittel und ist damit deutlich weniger Ansteckungsrisiken ausgesetzt. Unternehmen, die auch nach der Pandemie konsequent auf Homeoffice oder hybride Modelle setzen, berichten bis heute von niedrigeren Krankheitstagen.
Im Umkehrschluss gilt: Firmen, die ihre Mitarbeiter wieder vollständig ins Büro zurückholen, müssen zwangsläufig mit höheren Krankheitstagen leben. Infektionskrankheiten verbreiten sich im Büro, auf dem Arbeitsweg und in öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich schneller. Diese Entwicklung ist keine Fehlleistung der Mitarbeiter, sondern eine logische Begleiterscheinung von Präsenzpflicht. Vor diesem Hintergrund greift die These zu kurz, Stress sei der Haupttreiber für den Anstieg der Krankheitstage. Vielmehr handelt es sich um eine Kombination aus mehreren Faktoren: Der Prozess des Krankschreibens ist durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einfacher geworden, systematische Kontrollen finden kaum statt und die Rückkehr ins Büro erhöht das Ansteckungsrisiko erheblich.
▶ So steigern Sie die Produktivität im Homeoffice
Die steigenden Krankheitstage in Deutschland sind daher weniger ein Zeichen sinkender Arbeitsmoral, sondern eine strukturelle Folge veränderter Arbeitsorganisation. Unternehmen können durch Stressreduktion, Homeoffice, gute Arbeitsbedingungen und regelmäßiges Mitarbeiter-Feedback aktiv dazu beitragen, Krankheitstage zu senken und die Gesundheit langfristig zu fördern.