Die Warnsignale mehren sich: Immer mehr mittelständische Betriebe verlagern ihre Produktion ins Ausland. Gründe nennen Unternehmer vor allem steigende Arbeits- und Energiekosten, hohe Steuern und eine dichte Bürokratie. Die Folge sind abnehmende Investitionen, schrumpfende Kapazitäten und ein sich eintrübender Arbeitsmarkt.
Verbandsumfragen zeigen, dass sich die Stimmung quer durch Branchen eintrübt. Seit 2019 sollen rund 400.000 Industriearbeitsplätze verloren gegangen sein, während 2025 mehr als 1.600 Insolvenzen allein in der Industrie gezählt wurden – der höchste Stand seit zwölf Jahren, so Einschätzungen aus dem Verbandsumfeld. Der Tenor: Das sei ein Alarmsignal für den Industriestandort, das entschlossenes Gegensteuern erfordere.1
De-Industrialisierung: Was die Zahlen bedeuten
Wenn Betriebe ins Ausland ausweichen, hat das unmittelbare Folgen: Wertschöpfung verlagert sich, Zulieferketten dünnen aus, Innovationskreisläufe brechen. Laut jüngsten Verbandsumfragen rechnen nur 15 Prozent der Betriebe mit einer besseren Lage; jedes dritte Unternehmen plant geringere Investitionen, jedes vierte will Stellen abbauen. Die Perspektive für 2026 bleibt verhalten, mit erwarteten 0,7 Prozent Wachstum – ein Minimalwert, der teils kalendarisch erklärt wird.3
Wie angespannt die Stimmung an der Basis ist, zeigt das Handwerk. Mehrere Verbandsstimmen warnen vor Auftragseinbrüchen und Investitionszurückhaltung. Details lesen Sie hier: „Stimmung ist sehr schlecht“ – Handwerkspräsident schlägt Alarm.
De-Industrialisierung trifft besonders den Mittelstand
Besonders exportorientierte, energieintensive und personalstarke Mittelständler geraten unter Druck. Wer Investitionen verschiebt, verliert Zeit im globalen Wettbewerb – und riskiert, dass Wertschöpfung für Jahre abwandert. Steuern, Energiepreise und Berichtspflichten werden in Standortvergleichen zunehmend zum Standortnachteil.
De-Industrialisierung: Wo die Politik jetzt ansetzen muss
Planbare Energiepreise, schnellere Genehmigungen, weniger Berichtslasten und international wettbewerbsfähige Steuersätze sind die Hebel. Andernfalls droht der Negativkreislauf aus schwacher Nachfrage, Investitionsstopp und Jobabbau. Unternehmen brauchen Geschwindigkeit – nicht erst in Jahren, sondern in Quartalen.
Auch die Perspektive auf Staatsfinanzen spielt hinein: Höhere Abgaben und weitere Verschuldung können Spielräume für Entlastungen einengen. Eine Einordnung finden Sie in: 500 Milliarden neue Schulden – Welche Folgen hat das für Deutschland?.

Wie gering das Vertrauen in die aktuelle Standortpolitik ist, zeigt eine aktuelle Bewertung der Regierungsarbeit durch Unternehmen: Firmen bewerten Regierungsarbeit mit nur Note 4,2 – so schlecht wie nie. Mit einer 4,2 hätten die meisten Politiker am Arbeitsmarkt praktisch keine Chancen. Auch hier muss ein Umdenken stattfinden: Wege wie in Singapur, wo Qualifikationen für die Arbeit als Politiker erforderlich sind, täten auch dem Standort Deutschland gut.
Arbeitsplätze im Sinkflug: Ein Blick nach Branchen
| Branche | Abgebaute Arbeitsplätze seit 2019 | Haupttreiber |
|---|---|---|
| Maschinenbau | −90.000 | Investitionszurückhaltung, Exportflaute |
| Metall/Grundstoffe | −110.000 | Energiepreise, globale Konkurrenz |
| Automobil/Autozulieferer | −120.000 | Transformation, Auslandsverlagerung |
| Chemie/Pharma | −45.000 | Regulierung, Energie- und Rohstoffkosten |
| Elektrotechnik | −35.000 | Abkühlende Industrienachfrage |
Was gegen De-Industrialisierung hilft
Unternehmen reagieren schnell, wenn Rahmenbedingungen stimmen: unbürokratische Superabschreibungen, beschleunigte Netzanbindungen, verlässliche Energiepreispfade und Priorisierung von Investitionen bei Planfeststellungen. Dazu gehören steuerliche Entlastungen für Reinvestitionen und eine echte Bürokratiebremse mit Sunset-Klauseln.
Kurskorrektur nötig
Die Zeichen stehen auf Kurskorrektur: Ohne schnell wirksame Entlastungen drohen weitere Verlagerungen, geringere Investitionen und der Verlust von Kernkompetenzen – wer jetzt nicht gegensteuert, riskiert, dass der Exodus zum Dauerzustand wird. Welche Branche als Nächstes ins Rutschen gerät, zeigt unser Überblick im nächsten Artikel.
Für 2026 warnen Institute vor einem verhaltenen Ausblick – mit Folgen für Investitionen und Jobs. Mehr dazu in unserer Analyse: ifo Wachstumsprognose 2026: Deutschlands Wirtschaftsausblick ist düster.